MÄRCHENWALD ERWEITERN!

Mit der Entlassung des Märchenwaldes aus der forstwirtschaftlichen Nutzung im Jahr 2012 hat die Stadt Einbeck 24 Hektar vom für den Naturschutz bedeutendsten Stadtwald-Teil geschützt. Sie hat damit knapp die Hälfte des Zehn-Prozent-Ziels von Wald in natürlicher Entwicklung umgesetzt. Nach sieben Jahren könnte nun endlich das volle Ziel im Stadtwald angestrebt werden: Die "Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt" sieht zum Jahr 2020 ein Ende der Holznutzung auf 10% der öffentlichen Waldfläche vor – das wären im Einbecker Stadtwald ca. 56 Hektar.

Angesichts der großen naturschutzfachlichen Bedeutung des Märchenwaldes sowie der anstehenden Umstrukturierung der Stadtwald-Betreuung (Stadtförster Weinreis geht 2020 in den Ruhestand) ist eine Entscheidung für eine Ausweitung der Märchenwaldfläche überfällig. Eine Erweiterung – zumindest um die für den Naturschutz wertvollsten angrenzenden Flächen – fordern von der Stadt Einbeck die an den Untersuchungen im Märchenwald beteiligten WissenschaftlerInnen, Naturschutzbeauftragte und beteiligten VertreterInnen der Umweltverbände BUND, UMWELTSTIFTUNG GREENPEACE, NABU, ROBIN WOOD.

Den Antrag auf Erweiterung des Märchenwaldes können Sie als PDF-Datei laden. Diese Seite hier liefert ergänzende Argumente für eine Vergrößerung und bietet einen fotografischen Einblick in die Erweiterungsflächen (Bilder dazu bitte Anklicken).

Erhalt der Biologischen Vielfalt

Eine fortgesetzte Bewirtschaftung der Waldbestände mit Altbäumen um den Märchenwald herum würde das Überleben der altholzbewohnenden Arten auch im Märchenwald gefährden, da seine bisherige Flächengröße von 24 Hektar nicht ausreicht. Wissenschaftler gehen von einer Mindestgröße von 40-60 bzw. 100 Hektar aus, um das jeweilige Artenspektrum mit den auf Altholz angewiesenen Arten dadurch zu sichern, dass es eine Kontinuität von Altbäumen und von unterschiedlichen Waldentwicklungsphasen gibt. Genauer ist das auf der vorigen Seite Biotopverbund für Altholzbewohner erläutert.

Die bisher im Stadtwald markierten Habitatbäume dienen altholzbewohnenden Arten als kleine Trittsteine oder Refugien, werden jedoch alleine keine Habitatkontinuität bewirken, zumal der Stadtwald einen unterdurchschnittlichen Anteil von Habitatbäumen und Totholz aufweist (HENDRICKS 2016). Hilfreich sind die NWE-Flächen (= Natürliche Wald-Entwicklung) im Greener Wald. Allerdings umfassen sie andere Lebensräume – trockenere Südhänge mit überwiegend Buchen – und sind nicht ausreichend mit dem Märchenwald vernetzt. Notwendig für den dauerhaften Erhalt vieler im Märchenwald gefunden Insekten- und Pilzarten ist ein Schutz angrenzender Waldflächen auf dem nordexponierten, feuchten Wendfeld.

Mareike Manns hat im Rahmen ihrer Masterarbeit 2019 potenzielle Stilllegungsflächen im Stadtwald Einbeck gesucht und empfiehlt nach Abwägung verschiedener Kriterien die östlich und südlich an den bisherigen Märchenwald angrenzenden Forstabteilungen 38 und 30 aus der Holznutzung zu nehmen (siehe MANNS 2019, Seite 39-41). Diesem auf wissenschaftlichen Erhebungen basierendem Vorschlag folgt der Erweiterungsantrag.

Bedeutung für die Öffentlichkeit

Wegen seiner urigen Waldbilder ist der Einbecker Märchenwald für Spaziergänge und Wanderungen besonders beliebt. Der bestehende Märchenwald ist mit Abteilung 38 durch die Wegschleife über die Köhlerhütte so verbunden, dass sie von den meisten Besuchern als Einheit wahrgenommen werden. Der neue Märchenwald-Rundweg berücksichtigt das und führt auch durch Abteilung 38.

Als öffentlicher Wald ist der Einbecker Stadtwald am Gemeinwohl orientiert und nicht nur auf das Betriebsziel Holzerzeugung fixiert. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt der Holzgewinnung in Teilbereichen hat der Stadtwald zahlreiche weitere Funktionen, wie z.B. Naturschutz, Erholung und Sport. Einbeck hätte eine Vorbildfunktion für andere Stadtwälder, wenn 10% der Waldfläche aus der Nutzung genommen werden, denn mit einer Erweiterung auf diese Mindestgröße würde die Stadt Einbeck punktgenau zum Jahr 2020 das Ziel der Bundesregierung zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erreichen.

Mit wachsender Bekanntheit wird der Märchenwald an touristischer Bedeutung gewinnen und ergänzt die sonst überwiegend auf das Stadtgebiet konzentrierten Sehenswürdigkeiten um ein Naturerlebnis im Wald. Dabei ist die Kombination vom märchenhaften Wald und seiner Geschichte mit dem verschollenen »Abtshof« besonders reizvoll.

Bei Betrachtung der historischen Informationen wird klar, dass der gesamte Wald auf dem Wendfeld zwischen den beiden Landwehr-Erdwällen eine ganz besondere Geschichte hat. Unter diesem Aspekt bekommt eine Erweiterung des Märchenwaldes innerhalb des Wendfelds noch einen anderen Sinn, da in Zusammenhang mit dem Schutzgebiet die Geschichte besser erforscht und vermittelt werden kann und Bodenbeschädigungen durch Forstfahrzeuge entfallen.

Die Stadt Einbeck könnte auch überlegen, mehr als das Mindestziel der Biodiversitätsstrategie von 10% vom Stadtwald aus der Nutzung zu nehmen und so der übrigen Waldfläche auf dem Wendfeld eine andere Funktion als die eines möglichst kosteneffektiv bewirtschafteten Wirtschaftswaldes zuzuordnen.

Abteilung 38

Die Abteilung 38 A und B (17,4 Hektar) östlich des bestehenden Schutzgebiets erscheint schon durch ihren direkten räumliche Anschluss ohne trennende befestigte Wege dazwischen, wie ein Teil des Märchenwaldes. Mit fünf Habitatbäumen pro Hektar hat sie im Vergleich mit dem restlichen Stadtwald die höchste Quote an Habitatbäumen! Darunter sind einige sehr markante Alteichen entlang des Rundwegs und weitere große Eichen, Buchen und Bergahorne. Außerdem haben die Untersuchungen von BLENDERMANN und MANNS eine große Bandbreite von Mikrohabitaten und Totholz festgestellt.

Damit ist Abteilung 38 aus naturschutzfachlicher Sicht die erste Wahl für eine Märchenwald-Erweiterung. Zwar stehen auch einige Nadelhölzer darin – insgesamt wird Abteilung 38 jedoch von einem besonders struktur- und artenreichen Laubwald eingenommen.

Zusätzlich hat Abteilung 38 eine Art Trittstein-Funktion, indem das Gebiet für Altholzarten eine gewisse Verbindung zu geschützten Flächen der Landesforsten im Greener Wald herstellt (zu Alteichen an der Landwehr in Abt. 2112c, NWE-Flächen weiter östlich).

Abteilung 30

An der gesamten Südseite des bestehenden Märchenwalds schließt jenseits des Forstwegs Abteilung 30 mit 15,4 Hektar an. Sie umfasst den Hang bis zur südlichen (älteren) Landwehr beim Sendeturm auf dem Oelknust. Obwohl der Bestand an alten Bäumen in diesem Waldbereich dezimiert ist und vor allem in westlichen Teilberichen Verjüngungsstadien mit Buche und viel Bergahorn dominieren, kann diese Abteilung das Schutzgebiet Märchenwald gut ergänzen und ein Refugium für die Altholzarten bieten.

Das liegt daran, dass die verbliebenen Altbäume (Hainbuchen, Bergahorn und Rotbuchen) in Abteilung 30 oft krumm oder mehrschäftig gewachsen sind und damit besonders viele Mikrohabitate bieten. Auch kommt einiges an Totholz vor. An dem feuchten Nordhangbereich treten besonders auf der Rinde von Ahorn und Hainbuchen seltene Flechtenarten auf, die noch nicht näher untersucht wurden.

Märchenwald erweitern!

Eine großzügige Ausweitung des Märchenwaldes bedeutet Erhalt der Biodiversität und das Erreichen des 10%-Ziels von Waldflächen in natürlicher Entwicklung. Die Erweiterung dient aber auch der Naherholung, dem Tourismus und, da alte Wälder mehr Kohlenstoff in Holz und Boden speichern, auch dem Klimaschutz.

Hinweis: Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden.

Titelfotos: Waldbilder aus den vorgeschlagenen Erweiterungsbereichen des Märchenwaldes.