Schutz anderer alter Wälder

Die Stadt Einbeck steht mit ihrer Schutzzone 'Märchenwald' in ihrem Stadtwald nicht alleine da. Auch andere Städte, sowie Staatsforsten, überlassen Teile ihres Bürgerwaldes der natürlichen Entwicklung.

Vorbilder für den Märchenwald

Beispiele für Kommunalwälder mit Flächen in natürlicher Entwicklung:
 

Stadtwald Göttingen

Der Göttinger Stadtwald ist in vieler Hinsicht mit dem Einbecker Stadtwald zu vergleichen. Auch er ist ein auf einem Muschelkalkberg oberhalb der Stadt gelegenes naturnahes Buchenwaldgebiet und diente schon im Mittelalter der Versorgung der Stadt mit Brenn- und Bauholz.

Heute umfasst er 1580 Hektar Wald plus über 400 Hektar Offenland. Vom Wald sind genau 10% (158 Hektar) aus der forstlichen Nutzung genommen und bleiben der natürlichen Entwicklung überlassen. 104 Hektar sind Referenzflächen. Sie sind in den historisch alten Waldflächen im Osten des Stadtwaldes auf drei Naturwaldparzellen verteilt und dürfen sich seit 1996 zum Urwald entwickeln. Weitere 54 Hektar sind später hinzugekommen. Sie umfassen beispielsweise kleinere Altbaumflächen als Vogel- und Fledermausschutzgehölze und ein Stück Pionierwald auf dem ehemaligen Standortübungsplatz.

Nähere Information, Daten zu Führungen und Faltblätter können auf der Website der Stadt Göttingen mit der Stichwortsuche "Stadtwald" gefunden werden.
 
 

Stadtwald Lübeck

Auch Lübeck hat seit dem Mittelalter einen eigenen Stadtwald. Der hat ca. 4600 Hektar Waldfläche und ist zu vier Fünfteln Laubwald. Seit 1994 besteht ein Konzept zur naturnahen Waldnutzung, nachdem mindestens 10% (460 Hektar) der Waldfläche als Referenzfläche aus der forstlichen Nutzung fallen. Jede Waldparzelle in natürlicher Entwicklung muss dabei eine Mindestflächengröße von 20 Hektar aufweisen.

Das Waldkonzept finden Sie unter www.luebeck.de/bewohner/umwelt_gesundheit/stadtwald/konzept/.
 
 

Naturlandschaft Sihlwald der Stadt Zürich

Ebenfalls schon im Mittelalter gehörte der 1097 Hektar große Sihlwald der Stadt Zürich. Der außerhalb des Stadtgebietes gelegene Wald versorgte die Stadt mit Bau- und Brennholz. Auf dem Fluss Sihl wurde das Holz in die Stadt geflößt.

Seit 1996 ist die Holznutzung auf großer Fläche eingestellt, sieht man einmal von Verkehrssicherungsmaßnahmen ab. Allerdings verfügt Zürich im Stadtgebiet über andere Wälder, die forstwirtschaftlich genutzt werden.

Die "Naturlandschaft Sihlwald" dient seitdem einer Kombination von Naherholung und natürlicher Waldentwicklung. Sie wird wie ein Nationalpark zoniert und gemanagt. Sowohl in der 443 Hektar große Kernzone (mit Wegegebot), wie auch in der 475 ha große Naturerlebniszone (ohne Wegegebot) ist jeder Holzeinschlag ausgeschlossen. Auf 179 Hektar Fläche (=16% des Sihlwalds) finden noch Pflege- und Verkehrssicherungsmaßnahmen statt.

Besuchern steht ein Infozentrum zur Verfügung. Zusammen mit einem 78 Hektar großen Wildgehege am Langenberg wird das Gebiet in "Wildnispark Zürich" umbenannt und als erster Schweizer "Naturerlebnispark" anerkannt - einer Art Nationalpark im stadtnahen Bereich.
 
 

Saarbrücker "Urwald vor den Toren der Stadt"

Saarbrückens stadteigener Wald wird analog der Wälder Lübecks und Göttingens nach den Naturland-Kriterien bewirtschaftet, die große Referenzflächen ohne Holznutzung verlangen.

Im Landesbesitz befindlich grenzt an Saarbrücken der gut 3000 Hektar große Saarkohlenwald, in dem sich 1003 Hektar Wald unter dem Namen "Urwald vor den Toren der Stadt" seit 1997 ohne jede Holznutzung entwickeln dürfen. Das von Saarforst und Naturschutzbund betreute Schutzgebiet dient besonders der Umweltbildung und darf auf ganzer Fläche betreten werden.

Website: saar-urwald.de

 

Passauer Naturwaldzelle

Die Stadt Passau besitzt nur knapp 90 Hektar Wald. Im April 2012 wurden mit einem Beschluss des Umweltausschusses 40% davon als bewirtschaftungsfreie Naturwaldparzelle ausgewiesen. Ein Motiv dazu war für die Stadt, ihren Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie zu leisten.

 
 

Kulturhistorische Wälder

Ein anderer Ansatz wird verfolgt, wenn die kulturhistorisch bedingte Waldstruktur aus Artenschutzgründen kontinuierlich weiter erhalten werden soll. Dann sind Pflegeaufwendungen nötig, die Eigenarten der ehemaligen Bewirtschaftungen simulieren. Etwa Eichenpflanzung in Mittel- und Hutewäldern, Beweidung oder die periodische Entfernung der Baum-Unterschicht. Anders als die Nutzungsaufgabe, erfordert die Pflege erfordert kulturhistorischer Wälder in der Regel finanzielle Aufwendungen.

Beispiele für die Pflege kulturhistorischer Wälder In Südniedersachsen:
 

Eichenhutewälder bei Lauenberg (Solling)

Unweit von Einbeck sind im Landeswald bei Lauenberg Überreste von Hutewälder mit beeindruckenden Eichen erhalten. Im 37 Hektar großen Naturschutzgebiet "Eichenhudewälder bei Lauenberg" werden lichte Waldstrukturen gepflegt und Eichen nachgepflanzt. Flyer "Der Eichenwald im Solling" (PDF) vom Naturpark Solling-Vogler laden. 

Hutewald-Projekt im Solling (Reiherbachtal bei Nienover)

Die planmäßig vor 180 Jahren zur Schweinemast gepflanzten Huteeichenbestände im Reiherbachtal liegen im Landesforst. Seit dem Jahr 2000 werden 170 Hektar extensiv mit Heckrindern und Exmoorponys ganzjährig beweidet. Die Tiere halten besonders die Strauchschicht aus Buchen und Bodenvegetation kurz.

Weitere Beweidungsprojekte zur Pflege ehemaliger Hutewälder gibt es im Duinger Wald bei Hildesheim, im Mönchswald bei Walkenried und im Bramwald bei Dransfeld. Alle diese Flächen gehören zu den Niedersächsischen Landesforsten.

Historische Mittelwaldbewirtschaftung mit Nutzung der Unterschicht als Brennholz wird ebenfalls in einigen Projektgebieten betrieben. Ziel sind hier lichte Waldstrukturen mit Förderung besonderer Tier- und Pflanzenarten. Mittelwaldprojekte gibt es zum Beispiel im Stadtwald Northeim, im Genossenschaftsforst am Ossenberg bei Barterode, großflächig auf dem Salzgitter-Höhenzug im Landesforst bei Liebenburg und in den Genossenschaftsforsten Weddingen und Immenrode, sowie im Landesforst bei Seesen.


Hinweis: Die Fotos können durch
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Titelbild: Das Weltall über dem Märchenwald.