Biotopverbund für Altholzbewohner

Auf die Altholzphasen urwaldähnlicher Wälder angewiesene Pilz-, Pflanzen- und Tierarten können im durchschnittlichen Wirtschaftswald nicht leben. Denn für die allermeisten dieser Arten reichen einzelne dicke alte bzw. tote Bäume nicht aus. Zum Überleben einer Population ist vielmehr eine räumlich zusammenhängende Menge an starkem Totholz nötig.

Daher sind die der natürlichen Entwicklung überlassenen Waldflächen – wie etwa der Märchenwald – zum Schutz von Urwaldarten ein wesentlich erfolgversprechenderer Ansatz. Der Erhalt einzelner Altbäume oder Baumgruppen innerhalb vom Wirtschaftswald kann nur als ein Vernetzungselement angesehen werden.

Mindestgrößen von Waldschutzgebieten für Urwaldarten nötig

Welche Mindestgröße solch eine Waldfläche mit natürlicher Entwicklung haben sollte, hängt von den betrachteten Arten ab. Für bestimmte Insektengruppen und Bodenorganismen sollte die Altholzfläche mindestens ein Hektar betragen. Für an alte Wälder gebundene größere Wirbeltierarten (Vögel, Fledermäuse) und bestimmte Urwald-Käferarten sind zum Überleben einer Population hunderte bis tausende Hektar große Wälder nötig, in denen alt- und totholzreiche Waldphasen (Alters- und Zerfallsphase) in natürlich hohem Anteil vorkommen.

Eine weitere Betrachtungsweise berücksichtigt die natürlichen Waldentwicklungs-Phasen. Man nimmt an, dass in mitteleuropäischen Lauburwäldern die sogenannten Verjüngungs-, Optimal-, Plenter-, und Zerfallsphasen oft in 10 bis 15 Hektar Ausdehnung mosaikartig im Wald verteilt sind. Damit alle Phasen sich in einem Waldreservat entwickeln können und somit eine zeitliche Kontinuität für Urwaldarten besteht (d.h. immer auch Plenter-, und Zerfallsphase im geschützten Wald vorhanden sind), werden Mindestflächengrößen von 40 bis 100 Hektar für geschützte Waldbereiche für notwendig erachtet. Diese Mindestgröße wird "Minimum-Struktur-Areal" genannt. Auf diesem Konzept basierend, schreibt auch das Man-and-Biosphare-Komittee (MAB) Biosphärenreservaten in Deutschland vor, dass einzelne Kernzonen in der Regel mindestens 50 Hektar groß sein müssen.

Schlussfolgerungen für den Wald auf der Hube

Wendet man die Erkenntnisse aus der Naturwaldforschung für den Wald auf der Hube an, so lässt sich sagen:
Die Stadt Einbeck hat mit der Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung im Märchenwald auf knapp 24 Hektar ein Biotop der natürlichen Entwicklung überlassen, das schon eine gute Ausgangsgröße für das Überleben altholztypischer Arten aufweist. Eine  Vergrößerung um angrenzende Stadtwaldbereiche, die ebenfalls Altbäume enthalten, ist sehr wünschenswert und würde das Vorkommen von Urwaldarten fördern und absichern.

Südlich der Hubestraße sind noch einzelne alte Bäume in einem jüngeren Laubwald eingestreut erhalten, die wenigstens in ein Konzept zur Förderung von Habitatbaumgruppen eingebunden werden müssten.

Märchenwald erweitern, sowie im Greener Wald ein Stück aus der Nutzung nehmen

Außerhalb des Einbecker Stadtwaldes gibt es im angrenzenden Greener Wald auch Relikte aus der Mittelwaldwirtschaft mit einigen mächtigen Alteichen und vor allem Altbuchen. Der Greener Wald ist Landesforst und in Teilen FFH-Gebiet. Ebenso wie die Stadt Einbeck sollten die Niedersächsischen Landesforsten ausreichend große Waldanteile der natürlichen Entwicklung überlassen.

Durch den in sich geschlossenen Waldbereich auf der Hube wären die nutzungsfreien Gebiete ausreichend verbunden, um einen Austausch altholzabhängiger Arten zu ermöglichen. Ein Vorschlag geeigneter Flächen im Greener finden Sie im Abschnitt Infothek > Nachrichten > Fläche im Greener Wald aus der Nutzung nehmen.

 
Hinweis: Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden. Die ersten vier stammen aus dem Einbecker Märchenwald, das letzte Bild aus dem Greener Wald.