Nachrichten zum Märchenwald

Flechten-Sensationsfund im Märchenwald

Ausgestorben geglaubte Flechtenart Anisomeridium biforme im Märchenwald bestätigt.

Der Biologe Stefan Kaufmann schreibt zur Zeit seine Doktor-Arbeit an der Universität Göttingen über Flechten in alten Urwäldern der Slowakei. Durch Kontakt mit Professor Dr. Markus Hauck,dem Autor der Roten Liste der Flechten Niedersachsens und Bremens, an der Universität Göttingen konnte das Interesse von Stefan Kaufmann geweckt werden, doch auch einmal im Märchenwald nach Flechten zu suchen.

Im Spätherbst konnten die ersten Funde bestätigt werden. Einige Zeit lang gab es für eine Flechtenart (Anisomeridium biforme), für die es leider keinen deutschen Namen gibt, zunächst keine gesicherte Bestimmung, da gegebenenfalls eine Verwechselung mit einer anderen Art möglich war. Nun haben die Flechtenexperten die Bestimmung überprüft und bestätigt.

Und dieser Fund ist wirklich eine Sensation. Betrachtet man ganz Niedersachsen so wurde diese Flechte das letzte Mal 1928 nachgewiesen, im Bergland wurde der letzte Nachweis 1876 erbracht. Bisher galt diese Art in Niedersachsen als verschollen und vermutlich ausgestorben.

Die Flechte selbst wächst vor allem an Laubbäumen wie Eiche, Esche, Pappel und auch Bergahorn. In unserem Fall wurde die Flechte an einem Bergahorn im Märchenwald entdeckt. Welch ein Glücksfall, dass Stefan Kaufmann sich die Flechte aus dem Märchenwald genauer angeschaut hat.

Flechten sind eigenartige Doppelwesen bei denen meist eine Pilz- und eine Algenart eine Symbiose eingehen. Flechten vermehren sich meist vegetativ. Sie vertragen Austrocknung und können exponierte Oberflächen besiedeln. Im Märchenwald kommen Flechten fast ausschließlich auf Zweigen, Stamm und Borke von Bäumen und auf totem Holz vor.

Der Biologe Kaufmann und Pilzkundler Hartwig Ehlert haben nach Flechten im Märchenwald gesucht und eine vorläufige Artenliste erstellt, die auf der Website zum Download bereit steht. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Obwohl das Untersuchungsgebiet nicht zu den für Flechten (aufgrund hoher Niederschläge) klimatisch besonders geeigneten Bergwäldern zählt, wurden im Märchenwald bisher 30 Flechtenarten gefunden. Darunter auch Zeigerarten alter Wälder.

Nachdem Kaufmann diese äußerst seltene Flechtenart im Märchenwald gefunden hatte, konnte er in der Slowakei auch den ersten Nachweis seit sehr langer Zeit für dieses Land erbringen.

Flechten reagieren sehr empfindlich auf Umweltveränderungen und können als Zeigerpflanzen für schadstofffreie Luft betrachtet werden. Besonders Schwefeldioxid kann für Flechten bedrohlich werden. In Mitteleuropa gibt es annähernd 2000 Flechtenarten.

Mit diesem Fund, einer seit langer Zeit als ausgestorben vermuteten Pflanze, übernimmt die Stadt Einbeck eine besondere Verantwortung für den dauerhaften Erhalt des Lebensraumes Märchenwald und damit dem Schutz dieser Pflanze.

Quelle: Presseinfo Henning Städtler
Datum: 27.01.2014


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