Nachrichten zum Märchenwald

Ratsmitglieder im Märchenwald - dem "unbekannten Wesen"

Auf Einladung von Klaus Weinreis, zuständiger Revierförster im Stadtwald Einbeck und den Waldökologen Gert Habermann und Henning Städtler konnte einigen interessierten Ratsmitgliedern der Märchenwald im Stadtwald Einbeck näher gebracht werden.

Zunächst wurden Waldbilder in einem normal bewirtschafteten Kalkbuchenwald vorgestellt. Neben den schlanken und astfreien Buchen wachsen dort auch Esche, Bergahorn, Kirsche und Hainbuchen, sog. Edellaubhölzer auf dem nährstoffreichen Kalkboden. In den gut durchforsteten Beständen kann man schon im Alter von 80 bis 90 Jahren gute Stammformen erkennen, die als potenzielle Zuwachs- und Wertträger für die Zukunft weiter herausgepflegt werden.

Mit beginnender Zielstärke von ca. 65 Zentimetern in Brusthöhe werden in Zukunft die Bäume einzelstammweise ausgewählt und verkauft. Dazu müssen die Bäume aber noch einige Jahrzehnte (bis ca. 120 – 140 Jahre) im Wald weiterwachsen. Specht- oder Naturhöhlenbäume sind eher Mangelware im Wirtschaftswald. Auch Totholz steht oder liegt nur sehr vereinzelt in solchem Wald.

Ob die vorhandene Buchen-Naturverjüngung schon für die nächste Waldgeneration als Grundlage dient oder noch einmal vergeht, darf das Handeln des Försters in dieser Altersphase noch nicht beeinflussen. Zu frühes Auflichten der Bestände würde zu einer Vergrasung führen. Die Buche blüht ca. alle vier bis sechs Jahre und kann so für neuen Nachwuchs auch in der Zukunft sorgen.

Wie völlig anders präsentiert sich der Märchenwald den Gästen. Acht Ratsmitglieder (von 45) folgten mit großem Interesse den Ausführungen der drei Forstfachleute. Über 200 jährige Buchen bis zu 260 jährigen Eichen sind das Gerüst dieses Kleinods. Einzelne Baumgiganten haben meist eine große, völlig gesunde Krone mit starken Seitenästen, die auch bis in die unteren Stammbereiche hineinreichen.

Durch das hohe Alter sind überall schon kleine bis größere „Beschädigungen" wie Astabbrüche, abplatzende Rinde, Faulstellen und Höhlen zu erkennen, im Gegensatz zu den glatten Stämmen im Wirtschaftswald. Solche Strukturen sind Voraussetzung für viele Lebewesen in urwaldähnlichen Waldflächen, z.B. Pilze, Käfer, Moose und Flechten. Pilze, die z. T. in Symbiose mit den Bäumen leben, z. T. aber auch einen Zersetzungsprozess in Gang bringen können, finden hier den passenden Lebensraum. Moose und Flechten nutzen die reich strukturierten Stammformen als Wachstumsgrundlage. Schwachstellen an den Bäumen sind Eintrittspforten für Spechthöhlen oder Käfer.

Grundlage für zukünftige Entscheidungen sind viele wissenschaftliche Erfassungen, die die Bedeutung der 23,5 Hektar großen Waldfläche untermauern sollen. Durch Kontakte von Städtler zur Universität Göttingen einzelnen Wissenschaftlern und zur HAWK (Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst) Göttingen sowie verschiedenen Sponsoren, konnten mehrere kurz vor dem Abschluss befindliche biologische Untersuchungen vorgestellt werden. Einige Arbeiten werden erst im Jahr 2014 fertig.

Am Ende des zweistündigen Rundgangs wurde deutlich, dass mit dem Schutz von knapp fünf Prozent der Stadtwaldfläche ein wichtiger Schritt zur gesetzlich vereinbarten Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung getan ist. Fünf Prozent alle Wälder in Deutschland sollen bis zum Jahr 2020 aus der Nutzung genommen werden. Die öffentlichen Wälder sollen mit zehn Prozent ihrem Auftrag nachkommen. Damit leistet der Stadtwald Einbeck, als kommunaler Waldbesitzer, einen vorbildhaften Beitrag für diese wichtigen Naturschutzziele in Deutschland.

Viele Fragen der Ratsmitglieder konnten in Ruhe ausdiskutiert werden und man war von dem völlig anderen Waldbild beeindruckt. Verabschiedet wurden die Gäste mit der Bitte, sich in den Gremien weiterhin für den Märchenwald einzusetzen und auch sonstige ökologische Belange bei der Waldbewirtschaftung in Zukunft mit einzubinden.

Quelle: Presseinfo Henning Städtler
Datum: 25.11.2013


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