Tote Bäume voller Leben

Der Begriff Totholz klingt düster, doch in einem Wald ist das tote Holz ein Quell des Lebens. Bäume speichern gewaltige Mengen von Kohlenstoff in ihrem Holz, das in Urwäldern jahrhundertelang steht. Im Urwald konnten sich in langen Evolutionszeiträumen Tausende von Arten darauf spezialisieren, diese gewaltige Biomasse zu besiedeln, zu verwerten und schließlich wieder zu Humus zu verwandeln.

Vollständiger Lebenszyklus der Bäume im Märchenwald ist jetzt möglich

Gerade die Menge an stehendem Totholz spielt für Urwaldarten eine entscheidende Rolle, ebenso wie der Durchmesser und Zersetzungsgrad der Stämme. Stehendes Totholz bietet anderen Arten Lebensraum, als am Waldboden liegendes. Viele holzbewohnende Arten brauchen das Innenklima und den Frostschutz mächtiger im Inneren vermodernder Stämme.

Daher ist die Artenvielfalt der natürlichen Lebensgemeinschaften im Wirtschaftswald stark reduziert. Rund 20% der in Mitteleuropa bekannten waldtypischen Arten gelten als abhängig vom Vorhandensein von Totholz. Eine Studie aus der Schweiz schätzt ab, dass dort etwa 1300 Käferarten, viele Vögel und Säugetiere, aber auch über 2500 Pilz-, Flechten- und Algenarten auf Totholz angewiesen sind.

Mehr als die Hälfte der holzbewohnenden Arten sind in Mitteleuropa in ihrem Bestand gefährdet. Dies gilt für höhlenbrütende Vogelarten einschließlich waldtypischer Spechtarten ebenso, wie für die immense Anzahl holzbewohnender Käfer und Pilze.

Urwaldarten brauchen dickes, stehendes Totholz

Die urigen Bäume im Märchenwald sind während ihres Alterns und später als Totholz Lebensgrundlage für eine Vielfalt an Urwaldarten. Baumindividuen, die den natürlichen Zyklus des Heranwachsens, Reifens, Alterns bis zum Absterben und Zerfall in allen Phasen durchleben, sichern den natürlichen Artenreichtum an Pilzen, baumbewohnenden Moosen und Flechten, Insekten, Vögeln und Kleinsäugern (insbesondere Fledermäusen), der in den meisten Forsten fehlt.

Um mehr über den Totholzanteil im Märchenwald zu erfahren, laufen bis 2014/2015 drei Bachelorarbeiten zur Waldstruktur und Standorttypen von Göttinger Forstwirtschaftsstudenten/innen in Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

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