Tierwelt im Märchenwald

Der Märchenwald bietet mit seinem Altholz und der Struktur- und Pflanzenartenvielfalt einer hohen Anzahl von Tierarten Unterschlupf.

Im Vergleich zum Wirtschaftswald beherbergt der Märchenwald mehr an altes Holz und an Baumhöhlen gebundene Tierarten. Solche Arten sind mangels alter Wälder in ihrem Bestand gefährdet.

Als erste Artengruppe wurden 2013 die Käfer erfasst. Diese Insektengruppe, mit in Mitteleuropa ungefähr 1350 an Holzbiotope gebundenen Käferarten, eignet sich besonders, um den biologischen Zustand alter Wälder zu beschreiben.

Artenvielfalt bei Käfern und Nachtfaltern

Beispielsweise charakterisiert der im Märchenwald gefundene und in Deutschland gefährdete Schluchtwald-Käfer (Carabus irregularis) urwaldartige feuchtkühle Wälder. Die Untersuchungsergebnisse der Käfererfassung werden auf der Folgeseite "Käfer im Märchenwald" erläutert.

2015 und 2016 stand eine Förderung für die Erfassung der Nachtschmetterlinge zur Verfügung. Reiner Theunert erfasste die Falter mit Lichtfalle und Lockmitteln, sowie die Raupen durch Absuche und Abklopfen der Vegetation. Die Methodik ermöglichte, die meisten der Tiere lebend vor Ort zu bestimmen. Nachgewiesen wurden 177 Arten aus 12 Schmetterlingsfamilien. Nach einem mathematischen Verfahren errechnet sich daraus ein Schätzwert von 226 zu erwartenden Nachtschmetterlingsarten.

Unter den Nachtfaltern sind 30 Arten, die laut der Niedersächsischen Roten Liste als bestandsbedroht (Gefährdungsstufe 1 bis 3) gelten, sowie 21 Arten der Vorwarnliste. Sechs Arten sind aus naturschutzfachlicher Sicht "wertgebend" – dass heißt sie gelten mindestens als "gefährdet" und wurden in so hoher Zahl gefunden, dass ihre Vermehrung im Märchenwald wahrscheinlch ist.

Unter den wertgebenden Arten ist der in der Roten Liste für Niedersachsen als vom Aussterben bedroht geführte Bergulmenspanner (Venusia blomeri). Wegen ihm ist der Märchenwald Einbeck hinsichtlich seiner Nachtschmetterlingsfauna von landesweiter Bedeutung. Auch der sehr zahlreich nachgewiesene Ahorn-Lappenspanner (Nothocasis sertata) ist vom Aussterben bedroht. Der Blasse Christophskraut-Blütenspanner (Eupithecia immundata) ist in der Roten Liste für Deutschland als "stark gefährdet" eingestuft. Mit dem Blauen Ordensband (Catocala fraxini) fand der Käferexperte Ludger Schmidt bereits 2013 eine in Niedersachsen vom Aussterben bedrohte Nachtfalterart.

Die meisten besonderen Nachtfalterarten sind auf luftfeuchte Laubwälder angewiesen. In der Infothek finden Sie den Bericht über die Nachtfalter im Märchenwald als PDF-Datei.

Eine erste Erfassung der Vögel erfolgte im Frühjahr 2014. Bärbel Pott-Dörfer und der Specht-Spezialist Hermann Hondong beobachteten und lauschten, welche Arten im Märchenwald zu sehen oder hören sind.

Dabei trafen die Ornithologen bisher auf 43 Vogelarten. Darunter auffällig viele Höhlenbrüter, die von den Quartieren in den alten Bäumen profitieren: Hohltaube, Waldkauz, Schwarzspecht, Buntspecht, Kleinspecht, Grauspecht, Grünspecht, Mittelspecht, Kleiber, Trauerschnäpper und fünf Meisenarten sind Höhlenbrüter; Wald- und Gartenbaumläufer nutzen Ritzen und abstehende Borke als Brutplatz.

Vogelquartier in Baumhöhlen

Bemerkenswert ist das Vorkommen von sechs Spechtarten, darunter der in Niedersachsen seltene Grauspecht und der Mittelspecht, eine Zielart der nationalen Biodiversitätsstrategie.

Weitere Tierarten im Märchenwald sind bisher nur durch Zufallsbeobachtungen dokumentiert. So kommen zum Beispiel die waldtypischen Tagfalter Kleiner Eisvogel und Waldbrettspiel vor.
 

- Eine Erstuntersuchung der Vogelarten hat die BUND Kreisgruppe Northeim mit 500,-€ gesponsert.
 
- Die Erfassung der Nachtfalter ermöglichten 4 lokale Sponsoren: siehe Bericht Nachtschmetterlinge (pdf).
 
- Die Untersuchung der Käfer finanzierte die Greenpeace Umweltstiftung.

Hinweis: Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden.
Titelbild: Waldbrettspiel (Pararge aegeria), ein Schmetterling der Laubwälder.