Pilze - Vielfalt an Farben und Formen

Pilze sind eine gigantische Gruppe von Lebewesen, bei denen viele Arten sich entweder als Zersetzer (sogenannte Saprophyten) von organischer Substanz ernähren und somit als Recycler für den Nährstoffkreislauf in der Natur unerlässlich sind.

Andere Arten sind Mykorrhiza-Pilze, die als Symbionten ein Pilzgeflecht mit Baumwurzeln und anderen Pflanzenwurzeln bilden ("Ektomykorrhiza"). Sie tauschen mit diesen Nährstoffe, Wasser und Mineralsalze aus.

Die dritte mögliche Ernährungsweise ist parasitisch, d.h. es werden noch lebende Pflanzen, Tiere oder andere Pilze befallen und zersetzt. Hierbei gibt es natürlich fließende Übergänge zur saprophytischen Ernährungsweise. In der Pilzartenliste (siehe Infothek) ist die Lebensweise durch Buchstaben gekennzeichnet (P - Parasit, S – Saprophyt/Zersetzer, M – Mykorrhiza/Symbiont).

Holzzersetzende Pilze am artenreichsten

Im Märchenwald sind in etwa 65% der Pilzarten Saprophyten (zumeist holzzersetzenden Typs), 20% Mykorrhizapilze, und 15% parasitisch lebende Arten.

Großpilze faszinieren uns durch das geheimnisvolle Auftauchen und die Farben- und Formenvielfalt ihrer Fruchtkörper, während wir ihr Pilzgeflecht (Mycel) im Boden und im Holz kaum wahrnehmen.

In Mitteleuropa sind bei den Großpilzen ca. 5000 Arten an Wälder gebunden, davon mindestens 600 Arten direkt an Holzbiotope. Mangels alter totholzreicher Wälder sind viele von ihnen selten geworden und tauchen als gefährdete Arten in den Roten Listen auf.

Indikatorarten unter den Pilzen, Flechten und Moosen weisen uns auf die Naturnähe und das Alter des Waldes hin. Aus Skandinavien wurde das Konzept der "Signalarten" übernommen. Signalarten sind besonders auffällige und gut bestimmbare Indikatorarten.

Im Wald wird dabei zwischen Naturwaldzeigern (NW), Altwaldzeigern (AW) und Dauerwaldzeigern unterschieden. Naturwaldzeiger kommen nur in Wäldern vor, die von Klima, Boden und Vegetation besonders naturnah sind. Altwaldzeiger wachsen nur in historisch alten Wäldern, die über mindestens 200 Jahre kontinuierlich Waldbedingungen aufwiesen. Dauerwaldzeiger zeigen noch länger bestehende Waldbedingungen an.

Bisher wurden in Deutschland Signalarten regional für die Waldtypen Schleswig-Holsteins benannt. Hartwig Ehlert hat das Signalartenkonzept für die Verhältnisse in den Laubwäldern Südniedersachsens adaptiert:
Als Altwaldzeiger wählte er Pilzarten, die entweder in den mittleren bis finalen Stadien der Zersetzerkette an starkem Totholz stehen oder als Schwächeparasiten besonders Altbäume besiedeln (vor allem Eiche) bzw. als Mykorrhizapartner Altbäume haben.

Signalarten für alte Wälder

Als Naturwaldzeiger (wobei Naturnähe hier mit Naturwirtschaftswald kompatibel sein kann) wählte Hartwig Ehlert unter den für die regionaltypischen Klimaxwaldgesellschaften (inklusiv stabiler Ersatzgesellschaften) charakteristischen Pilzarten vor allem solche, die Rote-Liste-Status haben, weil sie offenbar gegen die konventionellen Formen der Nutzung empfindlich sind.

Im Märchenwald kommen unter den Pilzarten 8 Altwald-Signalarten und 21 Naturwald-Signalarten vor.

25 Arten der Roten Liste der gefährdeten Pilze in Niedersachsen sind bisher im Märchenwald gefunden worden – darunter einige an urwaldartige alte Wälder gebundene Arten.

Über 300 Pilzarten im Märchenwald-Herbst

Die Pilzexperten Hartwig Ehlert und Holger Foerster haben im Herbst 2013 allein 265 Arten erfasst. Mit erneuter Nachsuche 2014 und 2015 sind nun 315 Pilzarten im Märchenwald nachgewiesen. Bei manchen Pilzen erscheinen die Fruchtkörper nicht jährlich, sondern nur unter besonderen Umständen (Witterung, Zusammenbruch von Totholz, etc.). Daher sind auch in Zukunft noch zahlreiche Artenfunde zu erwarten.

Die aktualisierte Pilzartenliste steht im Bereich Infothek zum Download bereit.

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Titelbild: Fliegenpilze (Amanita muscaria), eine Mykorrhiza-Art im Märchenwald.