Flechten im Märchenwald

Flechten sind Pilze, die als Lebensgemeinschaft zumeist Algen in ihrem Geflecht "halten" und von diesen mit Photosyntheseprodukten versorgt werden. Diese als "Symbiose" bezeichnete Partnerschaft wird am Ende der Seite genauer erläutert.

Flechten vertragen Austrocknung und können sehr exponierte Oberflächen besiedeln. Im Märchenwald kommen Flechten fast ausschließlich auf Zweigen, Stamm und Borke von Bäumen und auf totem Holz vor.

Der Biologe Stefan Kaufmann und Pilzkundler Hartwig Ehlert haben sich die Flechten im Märchenwald angesehen und eine vorläufige Artenliste erstellt, die im Bereich Infothek zum Download bereit steht. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

Fast 30% der Märchenwald-Flechten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten

Obwohl das Untersuchungsgebiet nicht zu den für Flechten aufgrund hoher Niederschläge klimatisch besonders geeigneten Bergwäldern zählt, finden sich im Märchenwald ungefähr 37 Flechtenarten. Darunter auch Zeigerarten alter Wälder und mindestens 11 Arten der Roten Liste.

Sensationell ist dabei der Stefan Kaufmanns Wiederfund von Anisomeridium biforme, die zuletzt 1928 in Niedersachsen nachgewiesen wurde, im niedersächsischen Bergland gar 1876.

Ausgestorbene Art wiedergefunden

Der Fund dieser Krustenflechte ohne deutschen Namen wurde von Professor Markus Hauck bestätigt, dem Autor der Roten Liste der Flechten Niedersachsens und Bremens.

Als Altwaldart wächst Chaenotheca chrysocephala in tiefen Borkenrissen einer Alteiche vor. Naturwaldzeiger und Rote-Liste-Arten sind die Glattborkenflechten aus dem Schriftflechtenverband.

Lebensweise der Flechten:
Flechten gelten als symbiontische Lebensgemeinschaft von Pilzen (zumeist Schlauchpilzen =Ascomyceten) und Grünalgen bzw. Blaualgen (=Cyanobakterien). Symbiose ist ein Zusammenleben zum beiderseitigen Nutzen.

Flechten sind besonders gefährdet durch Substratzerstörung (im Forst vor allem Alt- und Totholzmangel), Luftverschmutzung (z.B. Übersäuerung) und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung durch stickstoffreiche Niederschläge).

Partnerschaft von Pilz und Alge

Ähnlich wie bei der Mykorrhiza-Symbiose von Ständerpilzen (=Basidiomyceten) und Gehölzen bleibt die Lebensgemeinschaft nur stabil, wenn beide Partner allein unter Nährstoffmangel leiden und daher einander brauchen, um schwierige Nischen dauerhaft besiedeln zu können.

Flechten als Besiedler oft extremer, weit verstreuter Biotope haben zur effektiveren Verbreitung außer der sexuellen Sporenproduktion der Pilze (in sogenannten Apo- bzw. Perithecien) eine Vielfalt vegetativer Fortpflanzungsstrategien entwickelt. Dabei werden teilweise Pilzfadenpakete einschließlich der Algen als eine Art Ableger abgetrennt und verbreitet.

Vegetative Fortpflanzungseinheiten sind Konidiensporen aus Pyknidien, Pilzfäden-Algen-Komplexe aus dem Thallusinneren (Soredien) bzw. von der Thallusoberfläche (Isidien), aus denen sich unter günstigen Bedingungen neue Flechten bilden können. Die Soredien, Isidien, Pyknidien geben den Flechten oft ein charakteristisches Aussehen und können daher als Bestimmungsmerkmal herangezogen werden.


 

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Titelbild: Cladonia fimbriata, eine Becherflechte, die auf morschem, aber relativ trockenem Totholz wächst.