Eichen-Hainbuchenwald & Buchenwald

Von Natur aus würde auf dem Standort vom Märchenwald ein Buchenurwald gedeihen. Vegetationskundlich gesehen, wäre es auf den Muschelkalkstandorten im Westen ein Waldhaargersten-Buchenwald (Fachbegriff: Hordelymo-Fagetum), auf den übrigen von entkalktem Lösslehm geprägten Standorten ein Waldmeister-Buchenwald (Fachbegriff: Galio odorati-Fagetum).

Im Buchenwald fänden Ahorne, Eschen, Bergulmen und Hainbuchen ihre Nischen, zum Beispiel in den nährstoffreich-feuchten Tälchen und auf tiefgründigem feuchtem Lehm, in denen sie den Buchen teilweise an Wuchsgeschwindigkeit überlegen sind. Auch in Zerfalls- und Verjüngungsphasen der Buchen entstehen lichte Stellen, in denen sich diese Baumarten unter den dichten Buchenjungwuchs mischen könnten.

Von Natur aus buchenreicher

Eichen würden im Urwald ohne menschlichen Einfluss jedenfalls eine geringere Rolle spielen, als im heutigen Märchenwald. Der Wald ist ein Überrest aus früherer Mittelwaldwirtschaft.

Bei dieser historischen Bewirtschaftung hat man als Oberschicht zur Bauholzgewinnung Einzelbäume – insbesondere Eichen – gezielt gepflanzt oder gefördert und dazwischen den Wald für Brennholz häufig zurückgeschnitten. In der zur Brennholzgewinnung genutzten Unterschicht überlebten Baum- und Straucharten, die ein gutes Stockausschlagvermögen haben – also leicht aus dem Stumpf wieder austreiben können, wie etwa Hasel, Ahorn, Hainbuche, Esche, Linde.

Eichen-Hainbuchenwald durch Mittelwaldwirtschaft

Der Märchenwald lässt sich als "durchgewachsener Mittelwald" beschreiben, da der Kahlschlag der Strauchschicht wohl schon seit über 80 Jahren nicht mehr erfolgte. Dies führte zu einem mehrstufig aufgebautem gebüschreichen Wald mit mächtigen, verzweigten Eichen, Buchen, Eschen, Ahornen und Hainbuchen, die teils mehrstämmig sind, wenn sie aus den Stockausschlägen der Unterschicht hochgewachsen sind.

Die heutige Baumartenzusammensetzung erinnert somit an einen Eichen-Hainbuchenwald (Fachbegriff: Stellario holosteae-Carpinetum) mit Rotbuchenanteilen. Diese Wälder wachsen von Natur aus auf solchen nährstoffreichen Standorten, die für eine Dominanz der Rotbuche zu nass (hoher Grundwasserstand) oder zu sommertrocken (in kontinentalem Klima) sind. Sie können aber auch – wie hier im Märchenwald – kulturbedingt durch die forstwirtschaftliche Zurückdrängung der Buche und die Förderung von Eichen und stockausschlagfähigen Hainbuchen und Ahornen entstehen. In diesem Fall entwickelte sich nach dem Ende der Mittelwald-Forstwirtschaft ganz allmählich wieder eine Buchendominanz. Da die Eichen und Ahorne höhere Lebenserwartungen als Buchen haben und in der Baumschicht gleiche Höhen erreichen, werden sie noch Jahrhunderte im Märchenwald weiterwachsen.

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